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Liebe Mitmenschen,

sehr geehrte Kund*innen, Lieferanten, Aktionär*innen, Förder*innen, Kapitalgeber*innen, Mitarbeiter*innen & Geschäft-partner*innen,

mit diesem Rundbrief möchten wir einen neuen Versuch starten, Sie in regelmäßigen Abständen über unsere Unternehmensziele, Fortschritte und Probleme auf dem Laufenden zu halten. In den letzten Jahren ist dies häufig unter die Räder gekommen. Die Entwicklung unseres Hofes hin zu einem kleinen Unternehmen mit über 40 Mitarbeitern und der Transformationsprozess in die zweite Generation hatte alle unsere Kräfte gebunden. Diese Entwicklung ist zwar längst nicht abgeschlossen, dennoch wurden entscheidende Hürden genommen. Nicht nur unsere beiden Kinder sind inzwischen in der Unternehmensleitung angekommen; auch sonst ist es gelungen, junge Menschen als Mitarbeiter mit Zukunftsperspektiven für unser Unternehmen zu gewinnen.

Dies gibt mir nun wieder mehr Raum, Berichte über unsere Arbeit zu verfassen.

Die Corona-Situation möchte ich dabei ganz bewusst nicht in den Fokus nehmen. Ich glaube, sie regt uns jedoch alle an, sehr grundlegend über unsere Lebenszusammenhänge nachzudenken. Daher möchte ich mit einigen grundlegenden Gedanken beginnen.

Unser zentrales Thema ist die Freude an der Arbeit mit dem Boden und die Erzeugung sowie der Vertrieb von Lebensmitteln aus dem Kreislauf der Natur. Gerade gestern habe ich in einem Buch, das mir mein Sohn empfohlen hat (Titel „Aus toten Böden wird fruchtbare Erde“) den Begriff „regenerative Landwirtschaft“ gelesen.

Ein Begriff, den ich für die Art und Weise, wie wir auf dem  Hof am Weiher seit Jahrzehnten Landwirtschaft betreiben, sehr viel passender finde, als den Begriff „biologische Landwirtschaft“. In der Tat arbeiten wir auf Grundlage des Erlebens, dass die Natur ganz selbstständig hervorragende Arbeit leistet und sich von ganz alleine regeneriert, wenn wir die Weichen richtig stellen. Wenn wir unseren Blick nicht nur auf die Details richten, sondern mit dem Vertrauen ans Werk gehen, dass da eine Kraft wirkt, die größer ist als all unsere Vernunft. Wenn wir vom Macher zum Beobachter werden, können wir Zusammenhänge erkennen, die dem verschlossen bleiben, der hofft, aus Detailwissen heraus das Leben zu steuern. Ich glaube, wir Menschen sind aufgrund unserer Erfolge in Technik und Wissenschaft der Versuchung erlegen, diese Erfahrung auch auf das Lebendige zu übertragen. Dabei haben wir jedoch die Komplexität lebendiger Prozesse deutlich unterschätzt. Die Landwirtschaft wurde über viele Jahrzehnte auf eingleisige, funktionale Prozesse getrimmt und auf industrielle Strukturen hin ausgerichtet. Bauern genauso wie Endverbraucher – wir alle ließen uns verführen von den scheinbar problemlos überall verfügbaren Lebensmitteln. Da sie immer billiger wurden, nutzten wir unsere finanziellen Ressourcen, um immer exzessiver zu konsumieren, dabei jedoch unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.  Im Übrigen sind auch schon andere Hochkulturen lange vor uns an dem Thema einer nachhaltigen Lebensmittelerzeugung gescheitert.

Ich wünsche mir, dass wir jetzt tatsächlich am Beginn einer Zeitenwende stehen, in der immer mehr Menschen verstehen, dass das Leben viel mehr ist als die Summe seiner Teile und wir das nicht erst am Ende unseres Lebens realisieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit unserem Unternehmen möchten wir dazu beitragen, neues Wirtschaften einzuüben, Prioritäten anders zu setzen und Hoffnung auf eine Umkehr zu fördern. Dieser Weg ist nicht leicht, weil wir als Gesellschaft sehr viel Geduld und Zeit mitbringen müssen.  Arbeits- und Denkweisen, die seit Jahrzehnten eingeübt sind, wie zum Beispiel die Feststellung „das rechnet sich nicht“, lassen sich nun mal nicht einfach abschütteln. Lebenszuversicht braucht

ganz offensichtlich ein ganz neues Fundament, bevor wir alte Gewohnheiten loslassen können. Konkret wird das, wenn wir uns (hier in der Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück GmbH / Hof am Weiher AG) mit dem Preis für Lebensmittel befassen und dabei den Versuch wagen, einen ganzheitlichen Blick darauf zu werfen. Jahrzehnte waren wir daran gewöhnt, die Preise für unsere Bioprodukte am konventionellen Preis auszurichten und dann, je nach Produkt, unterschiedliche und sehr begrenzte Aufschläge zu realisieren. Wir Landwirte ganz allgemein waren daran gewöhnt, dass man als leidenschaftlicher Bauer Woche für Woche arbeitet bis die physischen und mentalen Kräfte ein Ende setzen. Längere Urlaube, freie Wochenenden, planbare Freizeit – Fehlanzeige. Wir haben diesen Beruf natürlich frei gewählt, wir ahnten es bereits, bevor wir richtig tief drinsteckten. Überwiegend haben wir das trotzdem gern gemacht. Die meisten von uns lieben ihre Arbeit. Doch wenn Beziehungen und Ehen daran zerbrechen, weder physischer noch geistiger Ausgleich möglich ist und die Arbeit für junge Leute nicht mehr attraktiv ist, dann muss sich etwas ändern. Wenn wir wirklich Bauernhöfe, also lebendige Strukturen statt Agrarfabriken wollen, müssen wir auch in punkto Preisgestaltung ganz neue Wege gehen.  Ziel muss es sein, die Arbeit in einer vielfältigen Landwirtschaft, in der lebendige, ineinandergreifende Prozesse den Alltag bestimmen, in der mittlere Technologie und nicht maximaler technischer Fortschritt dominiert, so zu gestalten, dass sie Zuversicht und Perspektive bietet.

Dazu gehört, dass regelmäßige freie Wochenenden und Urlaubsphasen für Bauern genauso selbstverständlich werden wie ein ausreichender Verdienst. Das gleiche gilt für eine handwerkliche Lebensmittel-Verarbeitung und regionale Liefer- und Verteilstrukturen. Eine solche Transformation würde tausende neuer Arbeitsplätze schaffen, setzt aber voraus, dass wir zukünftig wieder 20-30 % unseres finanziellen Budgets für Lebensmittel einsetzen, das Haus und das Auto kleiner werden, Möbel vielleicht ein Leben lang ihren Dienst tun. Auf der Seite der Unternehmen braucht es aber auch ein Umdenken. Weg von „mein Hof, mein Land“ hin zu offenen Höfen und Unternehmensformen, die den Verbrauchern das Erleben lebendiger Abläufe vermitteln und aktive Teilnahme ermöglichen.

Landwirtschaft ist noch immer die Grundlage des menschlichen Lebens. Wenn es hier schiefläuft, ist auf Dauer die gesamte Bevölkerung betroffen. In diesem Kontext wollen wir weiter mutige Schritte gehen, ganzheitlich und umfassend.

 

Nun noch einige Infos im Steckbrief-Format:

  • Seit dem 01.01.2021 ist die Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück GmbH eine 100 %-ige Tochtergesellschaft der Hof am Weiher AG. Die ehemaligen Gesellschafter und Lieferanten sind nun Aktionäre der Hof am Weiher AG und damit weiter in die Entwicklung des Gesamtunternehmens, mit Stimm- und Rede-Recht in der Hauptversammlung, eingebunden.
  • 2020 erzielte die ÖMG einen Corona-bedingten, weit überdurchschnittlichen Gewinn, den wir dazu nutzen, die Löhne unserer Mitarbeiter weiter aufzustocken und Zukunftsinvestitionen zu tätigen.
  • Die Hof am Weiher AG erzielte 2020 ein ausgeglichenes Ergebnis, das nicht zufriedenstellt, doch aufgrund der Tatsache, dass wir erst einen kleinen Teil unserer Kartoffeln und unseres Gemüses beregnen konnten und in Anbetracht des erneuten Dürrejahres 2020 ist dieses Ergebnis ein Erfolg.
  • Wir erwerben in den nächsten Tagen ein 10.000 m² großes Grundstück im Gewerbegebiet des Nachbarortes, wo wir eine Gewerbehalle errichten werden, in der wir unsere Regionalverteilung für vielfältige Höfe deutlich ausbauen und weiterentwickeln können.
  • Als einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer besseren Landwirtschaft haben wir die Preise für die Tier-Zukäufe bei unseren Landwirten um 10 % deutlich angehoben, daher steigt der Rindfleisch- und Schweinefleisch-Preis.

Liebe Mitmenschen,

Auf unserer Homepage der ÖMG unter dem Begriff „Gemeinwohlökonomie“ finden Sie einige erneuerte Daten über unser Unternehmen (Personal-, Finanz- und Lieferstruktur), vielleicht haben Sie Lust mal vorbeizuschauen.

Es grüßt Sie ganz herzlich,

Ihr   Kornelius Burgdörfer-Bensel

und das ganze Team vom Hof am Weiher und der Öko-Marktgemeinschaft