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Liebe Mitmenschen,

sehr geehrte Kund*innen, Lieferanten, Aktionär*innen, Förder*innen, Kapitalgeber*innen, Mitarbeiter*innen & Geschäftspartner*innen,

wir haben Mitte Mai eine der weitreichendsten Entscheidungen unserer über 30-jährigen Unternehmensgeschichte besiegelt: Wir haben unsere Unterschriften unter die Auftragsbestätigung für die neue Halle gesetzt.

Eine Kühlhalle von ca. 2.000 m2 mit einigen Büros und Sozialräumen, in der wir den Großhandel mit in der Region Saar-Pfalz-Hunsrück erzeugten Biolebensmitteln weiterentwickeln wollen. Wir tun dies mit der Überzeugung, dass die Themen regionale Wirtschaftskreisläufe, saisonale Ernährung und handwerkliche Erzeugung an Bedeutung gewinnen, denn die Vorteile einer derartigen Lebensmittelwirtschaft bezüglich der großen Probleme unserer Zeit werden für immer mehr Menschen sichtbar.

Wir hoffen, mit unserer Logistik und Handelstätigkeit, welche auf die oben genannten Themen und Ziele ausgerichtet ist, aber auch mit unserer langjährigen Erfahrung einen Beitrag zur Veränderung leisten zu können. Wir möchten erreichen, dass sich die Biolebensmittelwirtschaft in Zukunft wenigstens in Teilen nicht mehr allein am geringstmöglichen Preis für Endverbraucher orientiert, sondern an der umfassenden Betrachtung aller Themen, die mit Lebensmitteln, Ernährung und Landwirtschaft zusammenhängen. Ein weites Aufgabenfeld, das vor allem die jüngere Generation in unserem Unternehmen in Zukunft „beackern“ muss bzw. möchte. Schon die vergangenen 10 Jahre, in denen wir uns diesen Themen im Rahmen unseres Regionalgroßhandels angenähert haben, haben gezeigt, wie komplex und schwierig es ist, hier Grundlegendes zu verändern.

Über Jahrzehnte gewachsene Strukturen, Handlungsweisen, Überzeugungen, Ängste und Qualitätsansprüche sowie das Machtgefälle zu den milliardenschweren Lebensmittelkonzernen erweisen sich im Alltag als äußerst stabil und sind hohe Hürden, die erst überwunden werden müssen, bevor etwas Neues im Alltag greift und zur Selbstverständlichkeit reift.

Ich möchte einige Beispiele nennen.

  • Die kontinuierliche Verfügbarkeit fast aller Lebensmittel

Beschränkt man sich derzeit auf eine bestimmte Region, passiert es häufiger, dass Produkte kurzfristig nicht verfügbar sind, ein Problem, das sich nur langfristig durch konsequente Nachfrage nach regionaler Erzeugung und mehr Erzeugern innerhalb der Region lösen lässt.

  • Saisonal ausgerichtete Sortimente

Durch die jahrzehntelange Entwicklung globaler Lieferketten, die derzeit alle Produkte aus der ganzen Welt verfügbar machen, ist ein sicheres Gefühl für das Auf und Ab im Wechsel der Jahreszeiten mit ihrem üblichen Angebot an Gemüsen und Früchten bei Verbrauchern und Einzelhändlern zum Teil völlig verloren gegangen. Hohe Erwartungen an Verfügbarkeit, Qualität und Aussehen machen unsere Arbeit manchmal nicht gerade einfach.

  • Die Lagerung und Verfrühung des Obst- und Gemüseangebotes

Über Jahrzehnte wurde daran gearbeitet, das Risiko des Lagerns von Obst und Gemüse zu vermeiden. Ernten, verladen und möglichst schnell verkaufen war das Ziel, welches mit globalen Lieferketten auch erreicht wurde. Bei einer regional ausgerichteten Lieferkette ist diese Arbeitsweise über die Sommersaison (Mai bis November) natürlich auch gut umsetzbar und die Qualität der Produkte sehr gut. Im zeitigen Frühjahr (März und April) hingegen versuchen Höfe und Gartenbaubetriebe mit Verfrühungsfolie, Gewächshäusern und Folientunneln das Angebot der Wintersaison schnellstmöglich durch frisches Grün zu ergänzen. Die Qualität dieser frühen Erzeugnisse ist jedoch mangels Sonne nicht in jedem Jahr mit der Qualität aus dem Freilandanbau im Sommer vergleichbar und oft nicht so gut haltbar. Im Winter nutzen inzwischen wieder mehr Höfe die Möglichkeit moderner Kühlhäuser zur Lagerung von Obst und Gemüse, was wir sehr begrüßen. Allerdings geht die Lagerung vor allem Ausgangs des Winters (März, April, Mai) mit natürlichen Alterungsprozessen einher. Der Apfel, der nicht mehr so knackig ist, der Kohl, der kein grünes Umblatt mehr hat, die Kartoffeln, die schon etwas Wasser verloren haben und nicht mehr so fest sind: Jahrhunderte lang kannte man dieses Auf und Ab  von Qualität und Verfügbarkeit, vielleicht können wir das Leben damit auch wieder lernen und so das Einfliegen von frisch geernteten Produkten aus fernen Ländern etwas zurückdrängen.

  • Handwerklich erzeugte Lebensmittel ohne moderne Lebensmittelzusätze und ausgefeilte Lebensmitteltechnologie

Solche Lebensmittel, insbesondere Milchprodukte, Wurst und Backwaren, sind individuelle Erzeugnisse, deren Qualität von vielen Faktoren abhängt.

 

Im Mittelpunkt der handwerklichen Produktion steht dabei der fehlbare Mensch, der nicht jeden Tag die gleiche Aufmerksamkeit aufbringt, der mal krank wird oder im Urlaub ersetzt werden muss. Wenn wir wieder mehr Betriebe haben wollen, die auf handwerkliche Weise natürliche Produkte herstellen, dann müssen wir lernen, mit einer mehr oder weniger großen Schwankungsbreite bei der Qualität zu leben. Warum hat sich die industrielle Produktion so stark entwickelt? Sie hat sich so entwickelt, weil wir Lebensmittel wollen, die immer gleich sind, Lebensmittel, von denen wir genau wissen, was wir zu erwarten haben. Handwerker sind aber keine industriellen Maschinen.

Etwas mehr Gelassenheit und Toleranz im Umgang mit Lebensmitteln würde unseren Alltag im regionalen Handel, den wir gegen den gigantischen Strom einer milliardenschweren Lebensmittelwirtschaft zu organisieren versuchen, sehr erleichtern.

Ich weiß aber nur zu gut, wie schwierig das ist. Allzu oft ertappe ich mich selbst dabei, wenn ich mal wieder aus einem kleinen Fehler, einem eigentlich unwesentlichen Makel, ein „Riesending“ mache, anstatt in Ruhe zu überlegen, wie man damit umgehen kann.

In der letzten Zeit habe ich oft gedacht, dass es wohl vor allem von unseren spirituellen Fähigkeiten, Fähigkeiten wie einer größeren Gelassenheit und Fehlerfreundlichkeit abhängt, ob wir je zu einem nachhaltigen Wirtschaften finden.

Ob wir es schaffen, der Schöpfung zu vertrauen, ob wir lernen loszulassen, statt alles unter Kontrolle bringen zu wollen?

Wir für unseren Teil haben uns gerade entschieden, einfach weiterzugehen, im Vertrauen darauf, dass sich die Wahrheit letztlich Bahn bricht, das Leben größer ist als all unsere menschliche Vernunft.

In diesem Sinne danke ich all unseren Förder*innen, Kund*innen und Geldgeber*innen sowie unseren Lieferanten, die sich auf dieses Projekt eingelassen haben, schauen wir, ob wie gemeinsam das Gesicht der Welt verändern können. Es grüßt Sie ganz herzlich,

Ihr   Kornelius Burgdörfer-Bensel

und das ganze Team vom

Hof am Weiher und der

Öko-Marktgemeinschaft

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Liebe Mitmenschen,

sehr geehrte Kund*innen, Lieferanten, Aktionär*innen, Förder*innen, Kapitalgeber*innen, Mitarbeiter*innen & Geschäft-partner*innen,

mit diesem Rundbrief möchten wir einen neuen Versuch starten, Sie in regelmäßigen Abständen über unsere Unternehmensziele, Fortschritte und Probleme auf dem Laufenden zu halten. In den letzten Jahren ist dies häufig unter die Räder gekommen. Die Entwicklung unseres Hofes hin zu einem kleinen Unternehmen mit über 40 Mitarbeitern und der Transformationsprozess in die zweite Generation hatte alle unsere Kräfte gebunden. Diese Entwicklung ist zwar längst nicht abgeschlossen, dennoch wurden entscheidende Hürden genommen. Nicht nur unsere beiden Kinder sind inzwischen in der Unternehmensleitung angekommen; auch sonst ist es gelungen, junge Menschen als Mitarbeiter mit Zukunftsperspektiven für unser Unternehmen zu gewinnen.

Dies gibt mir nun wieder mehr Raum, Berichte über unsere Arbeit zu verfassen.

Die Corona-Situation möchte ich dabei ganz bewusst nicht in den Fokus nehmen. Ich glaube, sie regt uns jedoch alle an, sehr grundlegend über unsere Lebenszusammenhänge nachzudenken. Daher möchte ich mit einigen grundlegenden Gedanken beginnen.

Unser zentrales Thema ist die Freude an der Arbeit mit dem Boden und die Erzeugung sowie der Vertrieb von Lebensmitteln aus dem Kreislauf der Natur. Gerade gestern habe ich in einem Buch, das mir mein Sohn empfohlen hat (Titel „Aus toten Böden wird fruchtbare Erde“) den Begriff „regenerative Landwirtschaft“ gelesen.

Ein Begriff, den ich für die Art und Weise, wie wir auf dem  Hof am Weiher seit Jahrzehnten Landwirtschaft betreiben, sehr viel passender finde, als den Begriff „biologische Landwirtschaft“. In der Tat arbeiten wir auf Grundlage des Erlebens, dass die Natur ganz selbstständig hervorragende Arbeit leistet und sich von ganz alleine regeneriert, wenn wir die Weichen richtig stellen. Wenn wir unseren Blick nicht nur auf die Details richten, sondern mit dem Vertrauen ans Werk gehen, dass da eine Kraft wirkt, die größer ist als all unsere Vernunft. Wenn wir vom Macher zum Beobachter werden, können wir Zusammenhänge erkennen, die dem verschlossen bleiben, der hofft, aus Detailwissen heraus das Leben zu steuern. Ich glaube, wir Menschen sind aufgrund unserer Erfolge in Technik und Wissenschaft der Versuchung erlegen, diese Erfahrung auch auf das Lebendige zu übertragen. Dabei haben wir jedoch die Komplexität lebendiger Prozesse deutlich unterschätzt. Die Landwirtschaft wurde über viele Jahrzehnte auf eingleisige, funktionale Prozesse getrimmt und auf industrielle Strukturen hin ausgerichtet. Bauern genauso wie Endverbraucher – wir alle ließen uns verführen von den scheinbar problemlos überall verfügbaren Lebensmitteln. Da sie immer billiger wurden, nutzten wir unsere finanziellen Ressourcen, um immer exzessiver zu konsumieren, dabei jedoch unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.  Im Übrigen sind auch schon andere Hochkulturen lange vor uns an dem Thema einer nachhaltigen Lebensmittelerzeugung gescheitert.

Ich wünsche mir, dass wir jetzt tatsächlich am Beginn einer Zeitenwende stehen, in der immer mehr Menschen verstehen, dass das Leben viel mehr ist als die Summe seiner Teile und wir das nicht erst am Ende unseres Lebens realisieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit unserem Unternehmen möchten wir dazu beitragen, neues Wirtschaften einzuüben, Prioritäten anders zu setzen und Hoffnung auf eine Umkehr zu fördern. Dieser Weg ist nicht leicht, weil wir als Gesellschaft sehr viel Geduld und Zeit mitbringen müssen.  Arbeits- und Denkweisen, die seit Jahrzehnten eingeübt sind, wie zum Beispiel die Feststellung „das rechnet sich nicht“, lassen sich nun mal nicht einfach abschütteln. Lebenszuversicht braucht

ganz offensichtlich ein ganz neues Fundament, bevor wir alte Gewohnheiten loslassen können. Konkret wird das, wenn wir uns (hier in der Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück GmbH / Hof am Weiher AG) mit dem Preis für Lebensmittel befassen und dabei den Versuch wagen, einen ganzheitlichen Blick darauf zu werfen. Jahrzehnte waren wir daran gewöhnt, die Preise für unsere Bioprodukte am konventionellen Preis auszurichten und dann, je nach Produkt, unterschiedliche und sehr begrenzte Aufschläge zu realisieren. Wir Landwirte ganz allgemein waren daran gewöhnt, dass man als leidenschaftlicher Bauer Woche für Woche arbeitet bis die physischen und mentalen Kräfte ein Ende setzen. Längere Urlaube, freie Wochenenden, planbare Freizeit – Fehlanzeige. Wir haben diesen Beruf natürlich frei gewählt, wir ahnten es bereits, bevor wir richtig tief drinsteckten. Überwiegend haben wir das trotzdem gern gemacht. Die meisten von uns lieben ihre Arbeit. Doch wenn Beziehungen und Ehen daran zerbrechen, weder physischer noch geistiger Ausgleich möglich ist und die Arbeit für junge Leute nicht mehr attraktiv ist, dann muss sich etwas ändern. Wenn wir wirklich Bauernhöfe, also lebendige Strukturen statt Agrarfabriken wollen, müssen wir auch in punkto Preisgestaltung ganz neue Wege gehen.  Ziel muss es sein, die Arbeit in einer vielfältigen Landwirtschaft, in der lebendige, ineinandergreifende Prozesse den Alltag bestimmen, in der mittlere Technologie und nicht maximaler technischer Fortschritt dominiert, so zu gestalten, dass sie Zuversicht und Perspektive bietet.

Dazu gehört, dass regelmäßige freie Wochenenden und Urlaubsphasen für Bauern genauso selbstverständlich werden wie ein ausreichender Verdienst. Das gleiche gilt für eine handwerkliche Lebensmittel-Verarbeitung und regionale Liefer- und Verteilstrukturen. Eine solche Transformation würde tausende neuer Arbeitsplätze schaffen, setzt aber voraus, dass wir zukünftig wieder 20-30 % unseres finanziellen Budgets für Lebensmittel einsetzen, das Haus und das Auto kleiner werden, Möbel vielleicht ein Leben lang ihren Dienst tun. Auf der Seite der Unternehmen braucht es aber auch ein Umdenken. Weg von „mein Hof, mein Land“ hin zu offenen Höfen und Unternehmensformen, die den Verbrauchern das Erleben lebendiger Abläufe vermitteln und aktive Teilnahme ermöglichen.

Landwirtschaft ist noch immer die Grundlage des menschlichen Lebens. Wenn es hier schiefläuft, ist auf Dauer die gesamte Bevölkerung betroffen. In diesem Kontext wollen wir weiter mutige Schritte gehen, ganzheitlich und umfassend.

 

Nun noch einige Infos im Steckbrief-Format:

  • Seit dem 01.01.2021 ist die Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück GmbH eine 100 %-ige Tochtergesellschaft der Hof am Weiher AG. Die ehemaligen Gesellschafter und Lieferanten sind nun Aktionäre der Hof am Weiher AG und damit weiter in die Entwicklung des Gesamtunternehmens, mit Stimm- und Rede-Recht in der Hauptversammlung, eingebunden.
  • 2020 erzielte die ÖMG einen Corona-bedingten, weit überdurchschnittlichen Gewinn, den wir dazu nutzen, die Löhne unserer Mitarbeiter weiter aufzustocken und Zukunftsinvestitionen zu tätigen.
  • Die Hof am Weiher AG erzielte 2020 ein ausgeglichenes Ergebnis, das nicht zufriedenstellt, doch aufgrund der Tatsache, dass wir erst einen kleinen Teil unserer Kartoffeln und unseres Gemüses beregnen konnten und in Anbetracht des erneuten Dürrejahres 2020 ist dieses Ergebnis ein Erfolg.
  • Wir erwerben in den nächsten Tagen ein 10.000 m² großes Grundstück im Gewerbegebiet des Nachbarortes, wo wir eine Gewerbehalle errichten werden, in der wir unsere Regionalverteilung für vielfältige Höfe deutlich ausbauen und weiterentwickeln können.
  • Als einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer besseren Landwirtschaft haben wir die Preise für die Tier-Zukäufe bei unseren Landwirten um 10 % deutlich angehoben, daher steigt der Rindfleisch- und Schweinefleisch-Preis.

Liebe Mitmenschen,

Auf unserer Homepage der ÖMG unter dem Begriff „Gemeinwohlökonomie“ finden Sie einige erneuerte Daten über unser Unternehmen (Personal-, Finanz- und Lieferstruktur), vielleicht haben Sie Lust mal vorbeizuschauen.

Es grüßt Sie ganz herzlich,

Ihr   Kornelius Burgdörfer-Bensel

und das ganze Team vom Hof am Weiher und der Öko-Marktgemeinschaft

 

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Liebe Mitmenschen,
sehr geehrte Kund*innen, Lieferanten, Aktionär*innen, Förder*innen, Kapitalgeber*innen, Mitarbeiter*innen & Geschäftspartner*innen,

die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel möchte ich auch in diesem Jahr nutzen, um mit Ihnen/Euch in Kontakt zu treten, auf das Jahr zurückzuschauen, Bilanz zu ziehen und einen Ausblick zu wagen auf das kommende Jahr 2021.
2020 wird uns allen wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Vielleicht als heftige Unterbrechung gewohnter Rhythmen, vielleicht aber auch als der Beginn neuer Denk- und Handlungsmuster im wirtschaftlichen Alltag.
Ich persönlich baue darauf, dass die überwiegende Bereitschaft zurückzustehen, um eine Überforderung unseres Gesundheitswesens möglichst zu vermeiden und jedem, der erkrankt, die nötige Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen, vielleicht der Anfang einer ganz neuen Sichtweise auf das Leben ganz allgemein ist. Ganz gleich ob wir die Maßnahmen für richtig, übertrieben oder unzureichend halten, ist doch eines ganz deutlich geworden: Wirtschaften ist kein Selbstzweck, nicht unveränderlich und die freie Marktwirtschaft kein Allheilmittel. Wir können eingreifen und neue Prioritäten setzen. Schon viel zu lange hielten wir als Gesellschaft an der Überzeugung fest, der liberale Welthandel sei nun mal gesetzt und das Beste für alle. Der Stärkere setzt sich durch, alles andere ist eine Illusion. Auf einmal erleben wir, dass Flugzeuge am Boden bleiben, regionale Strukturen wieder wertvoll werden und der Staat regulierend Gelder verteilt.
Für die viel dramatischere Klimakrise können wir daraus sehr viel lernen und den Mut schöpfen, unumgängliche Veränderungen endlich beherzt anzugehen. Die Empathie, die der Staat derzeit gegenüber unseren schwächsten Mitmenschen einfordert, diese Empathie brauchen wir zukünftig gegenüber allen Menschen auf der Erde und der Schöpfung ganz allgemein.
Die letzten Jahrzehnte haben wir einen Grad materiellen Wohlstands entwickelt, der uns in Anbetracht der Gesamtweltlage nicht zusteht. Weiter auf materielle Wohlstandsmehrung zu setzen und zu hoffen, dass wir mit Technologien die Probleme schon in den Griff kriegen werden, halte ich inzwischen für unverantwortlich.
Keine Frage, Technologie ist eine feine Sache, die meisten Errungenschaften möchte auch ich nicht mehr missen. Was wir aus meiner Sicht aber sehr dringend brauchen, ist die Frage nach dem Nutzen für ein erfülltes Leben, dem Gleichgewicht zwischen dem Materiellen und dem sozialen Leben. Wollten wir nicht vor allem Technik, um Arbeit zu erleichtern, damit für die wirklich wichtigen Dinge mehr Zeit bleibt? Stattdessen nutzen wir Technik, um auf Teufel komm raus zu produzieren und dann mit immer raffinierteren Marketingmethoden Wünsche zu wecken, die uns Leben versprechen wo keines ist. Oder ist der kurze Kick, den neue Güter in uns auslösen, alles was wir vom Leben erwarten?
Die Grundlage neuen, nachhaltigen Wirtschaftens sehe ich im ökologischen Landbau. Hier erkennen wir bewusst natürliche Grenzen an, hier erleben wir nicht Chaos und Zerbruch, sondern Heilung und Ganzheit. Es ist eine große Freude zu erleben, dass wir selbst in diesem erneuten Dürrejahr weitestgehend ohne Beregnung, ohne zugekauften Dünger und ohne Pflanzenschutz ernten durften. Das zeigt, was in der Natur steckt, wenn wir sie uns zum Freund machen und nicht versuchen, sie zu unterwerfen, ihr mit künstlichen Methoden eine höhere Ernte abzuringen, die anschließend in Mastanlagen oder Mülltonnen landet.
Ähnliches gilt für die Ernährung. Aus eigener 40-jähriger Erfahrung mit einer vielseitigen Vollwerternährung, basierend auf wenig

Fleisch, viel Obst, Gemüse, Salat, Vollkornbrot, Müsli und möglichst wenig Zucker, kann ich nur bestätigen: die Natur sorgt hervorragend für uns. Eine Ernährungsumstellung lohnt sich. Auf 80 % aller Ärzte und Apotheken könnten wir dann verzichten.
Es ist schon verrückt – wir haben ein Wirtschaftssystem erschaffen, welches davon lebt, erst zu zerstören, damit wir anschließend vom Reparieren leben können – einfach nur absurd. Wir tun uns schwer damit, zu glauben, dass alles gut ist. Dass die Schöpfung vertrauenswürdig funktioniert. Dass für uns gesorgt ist. Ja klar, oft anders als wir denken, aber auch oft besser als gedacht.
Nach diesem Ausflug ins Philosophische möchte ich noch ein wenig aus dem Alltag berichten:
Was alles überstrahlt, ist die Dankbarkeit über das erfolgreichste Jahr in der Geschichte unseres Projektes und die große Freude über unser drittes Enkelkind, das uns mit seinem unerschütterlichen Vertrauen und seinem fröhlichen Lachen immer wieder den Blick weitet für die Größe und die Schönheit des Lebens. Dankbar sind wir auch dafür, dass bisher aus unserer ca. 40-köpfigen Belegschaft niemand an Corona erkrankte. Die seit März extrem gewachsenen Umsätze hätten wir sonst niemals bewältigt. Aber auch die Bereitschaft der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, zahlreiche Überstunden zu leisten, war die Voraussetzung für den diesjährigen Erfolg.
Diesen Erfolg haben wir genutzt und werden wir nutzen, um insbesondere die Löhne unserer Mitarbeiter anzuheben, eine Corona-Sonderprämie zu zahlen und in die Zukunft zu investieren. Ein erster Schritt in eine Zukunft, die aus meiner Sicht davon geprägt sein sollte, Dienstleistungen und nachhaltig erzeugte Lebensmittel deutlich besser zu bezahlen und die Ausgaben für den materiellen Konsum herunterzufahren. Menschen, die in unserer Branche arbeiten und täglich ihren Job genauso zuverlässig erledigen wie Mitarbeiter in technischen Berufen oder in der Industrie, verdienen Schritt für Schritt ebenfalls einen Lohn, mit dem sie umfassend am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Mit einem etwas aufgepeppten Mindestlohn ist das nicht möglich. Durch die Entwicklung der letzten beiden Jahre ist diese Aussicht ein wenig näher gerückt. Daher gilt unser Dank all unseren Kunden, die mit ihrer Bereitschaft, für Bio-Lebensmittel von vielseitigen Höfen aus der Region einen höheren Preis zu zahlen, für diese positive Entwicklung gesorgt haben. Aber auch unseren vielen privaten und geschäftlichen Förderern gilt unser Dank. Die monatlich eingehenden Fördergelder haben uns beflügelt und Mut gemacht. So konnten wir auch personelle Schritte wagen, die uns sonst zu riskant erschienen wären.
Nicht zuletzt war es aber auch die erfolgreiche Kapitalerhöhung im vergangenen Sommer. Das Kapital, das wir vor allem für Zukunftsinvestitionen einsetzen, hat beispielsweise das Brunnenbohren ermöglicht sowie den Kauf von Beregnungstechnik, die wir ausgangs Sommer noch einsetzen konnten. Die Wirkung war deutlich. Den Ertrag für die Kartoffelsorten Belana und Goldmarie konnten wir durch die Beregnung anheben und Weißkohl, Rotkohl aber auch Wirsing wären ohne Wasser voraussichtlich erneut ein Totalausfall geworden.

Erstaunt waren wir aber auch über die Kartoffelsorten Agria und Solara, die in diesem Jahr eher mehlig ausfallen. Diese beiden Sorten standen auf einem seit 31 Jahren von uns bewirtschafteten steinigen Grenzertrags-Standort auf knapp 600 m über NN – auf dem wohl höchsten Kartoffelacker der Pfalz. Erstaunlich wie sich diese Kartoffeln unter derart extremen Bedingungen ohne Beregnung entwickelten. Leider kämpfen wir, insbesondere bei der Solara, schon seit Wochen mit dem Keimen. Jahrzehntelang konnten wir Kartoffeln im alten Sandsteingebäude bis März problemlos lagern. zukünftig müssen wir mit Kartoffeln ins Kühlhaus. Der Herbst ist einfach zu warm geworden.
Beim größten derzeitigen Projekt der räumlichen Erweiterung treten wir leider noch auf der Stelle. Die Gebäudeerweiterung war noch im August als Neubau im benachbarten Gewerbegebiet geplant, als sich plötzlich die Möglichkeit auftat, ein dort vorhandenes, geeignetes Objekt (erbaut in 2005) zu erwerben. Dieser Erwerb hängt derzeit aber immer noch in der Luft, weil der Besitzer angeblich noch Klärungsbedarf hat. Inzwischen haben wir uns nach fast vier Monaten des Abwartens schon weitgehend von dieser Möglichkeit verabschiedet. Wir betreiben nun parallel die Planungen für einen Neubau. Die Termine, die wir jetzt gesetzt haben, lassen erwarten, dass wir bis spätestens Mitte Februar klarer sehen.
Zwei weitere Projekte, die wir in diesem Jahr zum Abschluss bringen konnten, sind zum einen die Sanierung einer Wohnung der Hof am Weiher AG, in die ich zusammen mit meiner Frau im Oktober einziehen konnte. Hier wurde so manches von unseren Mitarbeitern in Eigenleistung erbracht, sodass der Kostenrahmen weitgehend eingehalten werden konnte. In die durch unseren Umzug freigewordene Wohnung ist nun das junge Paar Jakob und Miriam eingezogen, die seit Sommer 2018 zu unserem Kernteam zählen und so unserem Projekt Hof am Weiher weitere Zukunftsperspektiven verleihen. Zum anderen wurde das Projekt Hofpflastern am Standort Herchweiler in Eigenleistung zum Abschluss gebracht. Eine Riesenerleichterung, insbesondere im winterlichen Alltag.
Soviel für heute. Es gäbe noch viel mehr zu berichten an Schönem und Schwierigem. Ideen und Ziele verfolgen wir viele, doch das berichten wir bei einer anderen Gelegenheit.
Ein großes Anliegen ist es mir, zum Schluss noch einmal Danke zu sagen.
Denn es war zwar ein schwieriges aber vor allem in der Summe ein gutes Jahr. All jene, die wir im Eifer des Gefechts verletzt, unangemessen behandelt oder bei denen wir nicht den richtigen Ton getroffen haben, bitte ich um Entschuldigung. Leider kommt es immer mal wieder vor, dass wir nicht die Nerven haben angemessen zu kommunizieren, weil wir selbst oft mit vielen Dingen im Alltag überfordert sind.
Allen Kapitalgebern danke ich für das Vertrauen, das sie uns und unserer Arbeit entgegenbringen.
Ein friedvolles, gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes Neues Jahr wünscht Ihnen im Namen der ganzen Belegschaft

Ihr Kornelius Burgdörfer-Bensel
Vorstand der Hof am Weiher AG und
Kaufmännischer Leiter der Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück GmbH

PS: Nach unserer Lieferpause ist der erste Liefertag im Hauslieferservice Dienstag, der 5. Januar 2021, im Großhandel Mittwoch, der 6. Januar 2021.

Aufrund des bisher recht trockenen und warmen Sommers hat die Getreideernte sehr früh begonnen. Bisher sind wir von schlimmeren Unwettern verschont geblieben und hoffen, dass wir die Ernte weiter gut nach Hause bekommen.